Woran erkennt man, dass jemand an einer Traumatisierung leidet?

22. Februar 2016  Allgemein

Ein Artikel unseres Genossen und Sozialpädagogen Peter Tschorny:

Kennen Sie einen Menschen der durch das auf der Flucht oder im Heimatland erlebte, traumatisiert ist?
Viele dieser Menschen haben massive Gewalt am eigenen Leib erlebt (Misshandlung, Folter, Vergewaltigung), wurden Zeuge von Gewalt gegen andere, oder leiden am Verlust nahestehender und geliebter Menschen.
Viele von ihnen benötigen professionelle Hilfe, sind aber oft aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage, Hilfe zu suchen und die nötigen Schritte einzuleiten, um die richtige Hilfe zu erhalten.
Hier ein paar Hinweise, woran Sie erkennen können, dass jemand möglicherweise an einem Posttraumatischen Stress-Syndrom leidet:
Typische Merkmale sind laut Weltgesundheitsorganisation (ICD 10 F43.1):
  • das wiederholte Erleben des Traumas in sich aufdrängenden Erinnerungen oder Albträumen
  • Gefühle von Betäubtsein und emotionaler Stumpfheit
  • Gleichgültigkeit gegenüber anderen Menschen
  • Teilnahmslosigkeit der Umgebung gegenüber
  • Freudlosigkeit
  • Vermeidung von Aktivitäten und Situationen
  • Reizbarkeit, Wutausbrüche
  • übermäßige Schreckhaftigkeit, Angst
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Depression und Suizidgedanken
Diese Ausführungen sollen und können Sie nicht in die Lage versetzen, eine Diagnose zu stellen. Zudem treten viele dieser Symptome nicht so auffällig in Erscheinung, dass sie für den Laien direkt als Hinweis auf eine mögliche Traumafolgenstörung erkannt werden können (oft werden sie selbst von den Betroffenen nicht im Zusammenhang mit einer Traumatisierung wahrgenommen); darum habe ich sie oben besonders hervorgehoben.
Wenn Sie diesen Menschen helfen wollen, versuchen Sie bitte nicht diese (sei es aus Neugier oder gutgemeint) dazu einzuladen, doch mal über ihre Probleme zu erzählen und „alles raus zu lassen“; dabei bestünde die Gefahr einer Re-Traumatisierung (Flash-Back). Hier ist der schützende Rahmen einer professionellen Trauma-Psychotherapie nötig, um das erlebte Schritt für Schritt im Tempo des traumatisierten Menschen zu verarbeiten.
Was können Sie tun?
Wenn Sie Menschen kennen, bei denen Sie Merkmale für eine mögliche posttraumatische Belastungsstörung erkennen, sprechen Sie diese Menschen bei einer Gelegenheit unter 4 Augen an, teilen Ihre Beobachtung (aus Ihrer Sicht und ohne Bewertung) und Ihre Vermutung mit und informieren (sachlich – ohne zu drängen) über Möglichkeiten, professionelle Unterstützung bei der Bearbeitung der Traumafolgen zu erhalten.
Weitere Hinweise erhalten Sie unter http://www.peter-tschorny.com/trauma-therapie/

PS: Die Begriffe „posttraumatisches Stress-Syndrom“, „Traumafolgenstörung“ und „posttraumatische Belastungsstörung“ sind versch. Bezeichnungen für dasselbe Syndrom.


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