Mein Beitrag zur Kampagne Das muss drin sein.

10. Februar 2016  Allgemein

Ende November starb mein Vater. Kein schönes Weihnachten war das. Aber wenn ich es mir recht überlege… war der Zeitpunkt seinen Todes doch irgendwie gut gewählt.

Wieso?

Weil Beerdigungen nunmal teuer sind! Wobei teuer natürlich relativ ist. Die Beerdigung meines Vaters kostete insgesamt 3400 €. Andere mögen darüber lachen, für mich sind das keine Peanuts.

Ich muss ja zugeben, dass ich mir bis zu diesem traurigen „Vorfall“ noch nie Gedanken über den Tod gemacht hatte, zumindest nicht in dieser Form und so intensiv. Es gibt ja den schlauen Spruch: Nur der Tod ist umsonst, und selbst der nicht, der kostet das Leben.

Doch dass der Tod ganz und gar nicht umsonst ist, musste ich dann doch mal feststellen.

Wer schon einmal eine Rechnung für eine Beerdigung erhalten hat, weiß wovon ich rede.

Kiefernsarg: 379 €

Totenhemd: 19,50 €

Überführung am Wochenende: 189 €

Zierurne: 92,50 €

Kühlung 2 Tage à 12,50 € 25 €

usw. usf.

Als ich diese Rechnung durchlas, dachte ich an folgendes:

79 Jahre lebte mein Vater in diesem Land. Er hatte sein Leben lang gearbeitet. Er hatte sein Leben lang Steuern gezahlt. Machte alle Höhen und Tiefen dieses Landes mit. Und am Ende… zahlt der Staat nicht einmal sein letztes Hemd.

Meine Mutter ist nicht in der Lage die Beerdigung zu bezahlen. Sie wird in Zukunft (sobald sie Witwenrente erhält) vom Existenzminimum leben. Wir, also mein Bruder und ich, versuchten natürlich eine Kostenerstattung (wenigstens einen Teilbetrag) vom Staat zu erhalten. Pustekuchen! Zahlen dürfen das die Kinder. Sicher, das ist „normal“. Aber nur weil etwas „normal“ ist, muss es ja nicht unbedingt richtig sein. Mein Bruder und ich, wir beantragten also eine Kostenbeteiligung des Staates. Und wer schon einmal etwas vom Staat haben wollte, weiß, wie sehr wir uns hätten durchleuchten lassen müssen, wären wir diesen Weg zuende gegangen. Wir sind diesen Weg nicht zuende gegangen. Wir haben nicht jeden noch so kleinen Vertrag zu irgendwelchen Versicherungen herausgesucht, Angaben zu unseres Fahrzeugen gemacht etc. Es gibt Menschen, die so etwas leider über sich ergehen lassen müssen. Mein Bruder und ich gehören zm Glück nicht dazu. Und trotzdem hätten wir einen Kredit aufnehmen müssen, um unseren Vater unter die Erde zu kriegen. Ja, richtig: „hätten“ Da komme ich wieder darauf zu sprechen, was ich zu Beginn meines Artikels sagte: der Zeitpunkt seines Todes war ganz gut gewählt. Denn meinem Bruder und mir standen jeweils ein Betrag zur Verfügung, über den wir normalerweise nicht ständig verfügen: Weihnachtsgeld!

Wir mussten also unser Weihnachtsgeld opfern, um unserem Vater eine menschenwürdige Beerdigung zu ermöglichen.

Es mag bestimmt Menschen geben, die sagen, dass man das natürlich selbst bezahlen soll, wenn man das Geld dazu hat.

Ich sehe die Sache etwas anders: Tag für Tag ist man für diesen Staat da, wenn man in ihm lebt. Jeder einzelne Mensch bringt diesen Staat ein Stück weiter nach vorne. Und ich finde, es ist das Mindeste, dass sich der Staat am Ende eines Lebens um dessen menschenwürdige Beerdigung kümmert. Ich finde einfach, niemand sollte solch eine Rechnung, wie ich sie oben in Ausschnitten gezeigt habe, erhalten; ich finde, niemand sollte irgendwo Geld zusammenkratzen müssen, um einen geliebten Menschen unter die Erde zu bringen, womöglich sogar selbst dafür noch Schulden machen.

Die Linke fordert schon seit Langem kostenfreie Kitas und ein kostenfreies Schulsystem für alle. Ich bin auch sehr dafür. Der Staat darf ruhig die Bildung seiner Einwohner übernehmen, schließlich wird er einen Tages davon profitieren. Ich fordere zudem: Ein kostenfreies, menschenwürdiges Begräbnis für alle! Und damit meine ich nicht dieses anonyme Verschachern toter Obachloser, wo sich kein Angehöriger finden ließ. Ich rede von einer menschenwürdigen Beerdigung als letzten Dank des Staates an seinen verstorbenen Bürger, seine verstorbene Bürgerin. Das, finde ich, sollte einfach drin sein.

 

Euer Markus Winterscheidt


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