Peter Tschorny

petertschornyPeter, müssen Helden und Vorbilder sein?

Menschen orientieren sich an Vorbildern. Aber Vorsicht: es ist wichtig, dass man über sein Vorbild hinausgeht, nicht alles kritiklos glorifiziert und irgendeinen Menschen zum Idol stilisiert. Selbst so hervorragende Menschen wie Ghandi, Che Guevara, Lenin u.v.a. hatten Seiten, die wir hinterfragen müssen. (Ghandi hat das Kastensystem fatalistisch akzeptiert; Che Guevara hat revolutionäre Hinrichtungskommandos angeordnet, Lenin wollte das Proletariat bewaffnen um die Bourgeoisie zu vernichten.) Wir brauchen neue Vorbilder, sollten aber nicht auf Idole oder Führungspersönlichkeiten warten, sondern selbst mit gutem Beispiel vorangehen. Das wäre heldenhaft genug.

 

Was hat dich in letzter Zeit am meisten überrascht?

Dass eine Auschwitz-Überlebende (Eva Mozes Kor) ihren Peinigern vergeben kann – und die Empörung der Öffentlichkeit; ist Vergebung kein zentrales Thema im „christlichen Abendland“?

 

Was ist für dich links?

Links ist da wo mein Herz schlägt: für den Armen, für den Fremden, für den Schwachen …

 

Worin siehst du deine größte Stärke, deine größte Schwäche?

Ich habe Geduld, mich mit meinem persönlichen Urteil so lange zurückzuhalten bis ich auch konträre Sichtweisen verstanden und bedacht habe. Aber ich werde sehr ungehalten, wenn jemand auf seiner Meinung beharrt, ohne diese zu begründen.

 

Was war dein erster Berufswunsch?

Zugschaffner.

 

Wenn du Parteivorsitzender wärst…

Ich würde die kritische Frage nach der Notwendigkeit und Berechtigung von Hierarchie und den Umgang mit Macht in demokratischen Beziehungen als grundlegendes Thema linker Anliegen vorschlagen.

 

Was regt dich auf?

Ignoranz gegenüber dem Leiden von Menschen, Heuchelei, Engstirnigkeit und eine Politik der es in erster Linie um Stimmenfang geht.

 

Wovon träumst du?

Ich träume davon, dass sich immer mehr Menschen auf die Werte besinnen, die für uns alle essentiell sind, um diesen einzigartigen und wunderbaren Planeten noch einige Generationen lang zu bevölkern: das Leben, die Natur, die Menschen, die Liebe … und daraus ihr Handeln ableiten; eine andere Hoffnung gibt es nicht.

 

Wofür gibst du gerne Geld aus?

Bücher.

 

Möchtest du (manchmal) anders sein, als du bist?

Ich bin gerne ich, auch wenn das nicht immer leicht ist.

 

Vaterland, Mutterland, Deutschland – wie gerne lebst du hier?

Obwohl ich hier geboren bin, kenne ich das Gefühl fremd zu sein. Vielleicht wurde mir das von den Eltern in die Wiege gelegt, die aus Polen und Rumänien stammen. Mundart, Sitten und teilweise auch kulturelle Werte sind nie ganz ein Teil von mir geworden. Hier ist meine Heimat, aber zu Hause fühle ich mich bei den Menschen mit denen mich Liebe verbindet – unabhängig von Herkunft, Hautfarbe und Weltanschauung.

 

Wann fühlst du dich gut?

In Worten von Adorno: „Geliebt wirst du einzig, wo du schwach dich zeigen darfst, ohne Stärke zu provozieren.“

 

Wen oder was würdest du mit auf eine Insel nehmen?

Meinen Kindern würde ich nicht zumuten, meinetwegen auf ihre sozialen Kontakte zu verzichten. Auf bestimmte Bücher würde ich ungern verzichten: die Bibel, das Tao Te King, Alexis Sorbas von Katzanzakis und Camus’ Der Mensch in der Revolte.

 

Welche Rolle spielen Kunst und Kultur in deinem Leben?

Mein Vater, der eine Zeitlang als Musiker seinen Lebensunterhalt verdienen mußte, hat weitgehend erfolglos versucht, mich dem musizieren nahezubringen. Aber die Liebe zum bewussten Musik hören ist mir geblieben. In jungen Jahren habe ich gerne gemalt.

Ich bewundere den Virtuosen Umgang, den einige Kabarettisten und Literaten mit der Sprache pflegen. Texte von Nietzsche, Kafka und Rilke gehören für mich zur Hochkultur.

 

Wo lachst du besonders gerne?

Unter Menschen, denen ich auch meine Traurigkeit und meinen Ärger anvertrauen kann.

 

Wovor hast du Angst?

Vor schnellen und einfachen Antworten. Absolutistische Ideologien.

 

Welche Eigenschaften schätzt du an Menschen vor allem?

Die Fähigkeit einander ungeteilte Achtsamkeit zu schenken, und zuhören zu können, ohne sich schon innerlich mit der eigenen Erwiderung zu beschäftigen.

 

Wie lautet dein Lebensmotto?

„Der Zweck heiligt nicht die Mittel; sondern wir müssen die Art und Weise unseres politischen Handelns so wählen, dass sie unseren Zielen nicht widersprechen.“

 

Peter Tschorny (geb. 1961 am Niederrhein) ist Versicherungskaufmann, Diplom-Sozialpädagoge, Heilpraktiker für Psychotherapie (Schwerpunkt »Familie und Kommunikation«). Seit 2010 Mitglied der Linkspartei. 2011 bis 2014 Sprecher des Ortsverbands. Zur Zeit Mitglied des Kreisvorstands. Seit 2011 Sozialberatung für DIE LINKE. und Mitarbeiter der Stadtrats-Fraktion. Sachkundiger Bürger (für Soziales) in Rat und Kreistag. Politische Interessen-Schwerpunkte: Sozialpolitik, Ethik politischen Handelns.

 


Die Fragen des Interviews sind der Mitgliederzeitschrift der Partei die Linke disput entnommen (mit freundlicher Genehmigung).

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